Andere Dichter

Heinrich Heine ,,Wie langsam kriechet...''

Wie langsam kriechet sie dahin,

Die Zeit, die schauderhafte Schnecke!

Ich aber, ganz bewegungslos

Blieb ich hier auf demselben Flecke.

 

In meine dunkle Zelle dringt

Kein Sonnenstrahl, kein Hoffnungsschimmer,

Ich weiß, nur mit der Kirchhofsgruft

Vertausch ich dies fatale Zimmer.

 

Vielleicht bin ich gestorben längst;

Es sind vielleicht nur Spukgestalten

Die Phantasien, die des Nachts

Im Hirn den bunten Umzug halten.

 

Es mögen wohl Gespenster sein,

Altheidnisch göttlichen Gelichters;

Sie wählen gern zum Tummelplatz

Den Schädel eines toten Dichters.

 

Die schaurig süßen Orgia,

Das nächtlich tolle Geistertreiben,

Sucht des Poeten Leichenhand

Manchmal am Morgen aufzuschreiben.

5.10.07 10:56, kommentieren

Friedrich Halm ,,Mein Herz, ich will dich fragen''

Mein Herz, ich will dich fragen,

Was ist denn Liebe? Sag!

,,Zwei Seelen und ein Gedanke,

Zwei Herzen und ein Schlag!''

 

Und sprich, woher kommt Liebe?

,,Sie kommt und sie ist da!''

Und sprich, wie schwindet Liebe?

,,Die war's nicht, der's geschah!''

 

Und was ist reine Liebe?

,,DIe ihrer selbst vergisst!''

Und wann ist Lieb' am tiefsten?

,,Wenn sie am stillsten ist!''

 

Und wann ist Lieb' am reichsten?

,,Das ist sie, wenn sie gibt!''

Und sprich: Wie redet Liebe?

,,Sie redet nicht, sie liebt!''

5.10.07 10:51, kommentieren