Der Tag und die Nacht

Erinnerungen

Wenn ich meine Augen schließe, kann ich deine Stimme noch immer ganz deutlich hören, so, als ständest du direkt neben mir.

Deine schon ergrauten Haare sind noch ganz verwuschelt vom Schlafen und deine tiefbraunen Augen, die wie die eines Teddybären sind, blicken schmerzerfüllt in die meinen.

In Gedanken rufe ich deine weichen Lippen herbei, die meine kindlichen Leiden immer wieder wegbliesen und deine schützenden Hände, die mich 16 Jahre lang festhielten.

Dein ausgemergelter Körper wirkt so zerbrechlich, dabei bist du doch so stark!

Manchmal, wenn ich mich einsam fühle, setze ich mich in deinen Schrank, der noch nach all den jahren deinen Duft in sich trägt.

Dann denke ich an die Zeit zurück, in der du noch bei mir warst, als wir herumalberten oder kuschelten.

Obwohl du schon so sehr von deiner Krankheit gezeichnet warst, dachtest du immer an mich.

Wir haben viel gescherzt in dieser Zeit, wahrscheinlich um den Schmerz zu überdecken, doch richtig gelacht hattest du schon lange nicht mehr.

Zu tief hatten sich die zerstörerischen Zellen in dich hineingefressen.

Doch stark warst du bis zum Ende!

Du hättest gehen, dem ganzem ein Ende bereiten können, doch bliebst du bei mir, bis heute... in meinem Herzen.

20.12.07 22:14, kommentieren

Mama

Mama, bitte strahl für mich
Die gelbe Sonne scheint heut nur für dich
Ich weiß, es ist nicht wirklich leicht
Schlaf ein bis dich ein Traum erreicht

Mama, bitte lach für mich
Irgendwo ist auch ein wenig Glück für dich
Ich weiß, es ist unglaublich schwer
Schlaf ein, bald schmerzt's nicht mehr

Mama, bitte weine nicht
Am Horizont erscheint schon langsam wieder Licht
Ich weiß, es tut unglaublich weh
Schlaf ein, morgen ist's dann OK

20.12.07 22:09, kommentieren

Feind und Freund

Herausgerissen aus den weichen Zuckerwattewolken des Himmels und in die Abgründe der weltlichen Hölle getreten.
Am Anfang stand die Liebe.
Das Ende war der Schmerz.
Schon lange warte ich auf das große Finale.
Das Gegenteil des Urknalls.
Zerstörung.
Blut.
Schreie.
Schmerz.
Nichts.
Erlösung...
Komm doch du zerstörerisches Etwas und hülle mich in Dunkelheit!
Ich fürchte mich nicht mehr vor dir.
Angst habe ich vor dem Leben, das mir wie eine Bestie die Eingeweide aus meinem Körper reisst.
Der Tod ist mein Freund, das Leben mein Feind.
Feind ich bezwinge dich!
Freund ich komme zu dir...

20.12.07 22:08, kommentieren

Der Tag an dem ich sterbe

Ein sanfter Lichtstrahl blendet mich
und kitzelt lieb'voll meine Nase
und die stolze, rote Rose
steht blutbefleckt in einer Vase.

Der Schmetterling an meinem Fenster
gibt Ruhe mir für meine Tat
und gefüllt mit Blut und Wasser
ist die Wann' im Gästebad.

Mit Mühe schlepp ich mich zum Garten,
wo Vögel singen, Blumen blühen
und lass die Sonn' mit ihrer Wärme
auf meinen nackten Körper glühen.

So lieg ich hier, um mich nur Stille,
kann wunderschöne Dinge sehen
und eine Macht, die sich erbarmte
lässt mich nun endlich zu dir gehen.

4.10.07 18:54, kommentieren

Lass mich sterben

Lass mich sterben diese Nacht
Der Tag hat mir nur Leid gebracht
Die Nacht ist auch nicht auszuhalten
Lass mich nun das Licht ausschalten

Lass mich sterben diese Nacht
Wenn der Schmerz wieder erwacht
Kann vor Leid schon nichts mehr sehen
Bitte lass mcih heute gehen

Lass mich sterben diese Nacht
Wenn wieder jemand mich auslacht
Schon viel zu viel hab ich geweint
-Das Leben ist mein größter Feind-

Lass mich leben diese Nacht
Hast du mir Freude mitgebracht?
Noch einmal möcht ich glücklich sein
Dann werd ich sterben, ganz allein

4.10.07 18:52, kommentieren

Ich kann nicht

Zu viel geschehen

Um zu vergessen

Keine Zukunft, keine Gegenwart

Nur Vergangenheit

Würde gern nach vorne blicken

Doch kann ich nicht

 

Zu viel geschehen

Um zu vergessen

Kein du, kein ich

Kein wir

Würde gern bei dir bleiben

Doch kann ich nicht

 

Zu viel geschehen

Um zu vergessen

Kein Lieben, kein Leben

Kein Lachen

Würde gern überleben

Doch kann ich nicht

4.10.07 18:46, kommentieren

Nichts

Kein Wort, das durch die Lippen dringt

Kein Vogel, der am Tage singt

Kein Glück, das mir mal Hoffnung bringt

Kein Ding, das mir einmal gelingt

 

Kein Herz, das noch aus Muskel ist

Kein Mensch, der mich heut noch vermisst

 Kein Tag an dem du bei mir bist

Kein Kuss, der mir den Schmerz wegfrisst

 

Kein Regen, der den Kopf mir reinigt

Kein Satz, der mich heut mal nicht peinigt

Kein Arm, der mich vor dir verteidigt

Kein Gott, der meine Taten heiligt

18.6.07 20:22, kommentieren